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Für diese Studentin zählt das Fleischerhandwerk zur Familientradition

Von Janet König

Bild: Eine Wurst auf dem Prüfstand: Die Studentin Sophie Dubau im Labor der Hochschule OWL in Lemgo. (© Janet König)
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Lemgo. Wer in einem Elternhaus mit eigener Fleischerei aufwächst, dem wird die Liebe zum Tierprodukt in die Wiege gelegt. Auch Sophie Dubau hat von klein auf im sächsischen Familienbetrieb mitgeholfen – und sich schließlich für ein Studium der Lebensmitteltechnologie im 500 Kilometer entfernten Lemgo entschieden. Schwerpunkt: Fleisch, versteht sich.
Jetzt ist die 20-Jährige in wichtigen Gremien rund um ihr Fachgebiet aktiv. Dabei hätte auch alles anders kommen können. „Warum genau machst du das jetzt?" Eine Frage, die Dubau oft beantworten muss, wenn sie neue Leute kennenlernt. Und nicht nur Veganer oder Vegetarier blicken skeptisch auf die Berufswahl der 20-Jährigen. „Frauen und Fleischhandwerk", das scheint für viele eine Alliteration zu sein, die nicht so recht passen will.

Blickt man auf die Zahlen aus Dubaus Studienjahrgang, scheint der Gedanke nicht weit hergeholt: Von 24 Studierenden mit Schwerpunkt Fleischtechnologie sind gerade einmal vier Frauen eingeschrieben. Beirren lässt sich Dubau von den Skeptikern nicht. In ihrer Branche stünden die Berufschancen für Frauen gut. „Wenn ich meinen familiären Hintergrund erkläre, sind die meisten zufrieden", sagt Dubau.
Schon früh habe die gebürtige Sächsin aus Hoyerswerda in der Fleischerei ihrer Eltern ausgeholfen und dabei die Abwechslung zu schätzen gelernt. Vom Büro über den Partyservice bis hin zur Entwicklung neuer Produkte – im Familienbetrieb habe es immer viel zu tun gegeben.

Dennoch sei ihr beruflicher Weg nicht vorbestimmt gewesen. „Früher wollte ich irgendwas mit Medien machen oder Tierärztin werden", erklärt die Studentin. Erst als sie mit ihrem Vater einen Tag der offenen Tür an der Hochschule OWL besucht, packt sie die Neugierde. Nach dem Schnupperpraktikum im Anschluss steht die Entscheidung fest.
„Natürlich hat mein Vater mir den Beruf schmackhaft machen wollen, aber erst durch die Praxis im Labor wusste ich genau, was ich machen will", sagt Dubau. Besonders die Arbeit direkt am Produkt macht ihr Spaß. Angst hatte sie vor Mathe, Physik und Chemie, allerdings unbegründet. Die Ausbildung in Lemgo sei für ihre Fachrichtung die beste, sagt Dubau. Deshalb habe die damals 18-Jährige den Umzug in den Kreis Lippe nicht gescheut.
„Ich bin zwar viel im Auto unterwegs, um meinen Eltern am Wochenende zu helfen, aber das ist es wert." Dubaus Zeitplan ist straff. Zurzeit absolviert die Studentin ein Praktikum bei einem Gewürzhersteller in Wiesbaden, wo sie auch ihre Bachelorarbeit Ende des Jahres erarbeiten will. Zudem ist die 20-Jährige im Juniorenverband des deutschen Fleischhandwerks aktiv und setzt sich als studentische Vertretung im Fachbereichsrat für ihre Kommilitonen ein.
Im Sommer geht es außerdem für zwei Wochen in die USA, um ihre Fachkenntnisse zu erweitern und verschiedene Betriebe kennenzulernen. Finanziert wird die Reise vom Lemgoer Arbeitskreis Fleisch und Feinkost („Laff)" – dank eines Preises zur Nachwuchsförderung. Ob Sophie Dubau nach dem Studium in die Fußstapfen ihrer Eltern tritt, weiß sie noch nicht. Erst mal will sie die Augen offen halten: „Ich will mir sicher sein und wissen, was ich kann."

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Link: http://www.lz.de/lippe/lemgo/21789660_Fuer-diese-Studentin-zaehlt-das-Fleischhandwerk-zur-Familientradition.html

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